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Die Jahre 1896 bis 1922

Gegen Mitte des 19. Jahrhunderts waren nur in den größeren Städten Musikkapellen zu finden. Im ländlichen Bereich, hauptsächlich in der Gegend um Großingersheim, suchte man vergeblich nach blasmusikalischen Vereinen. Auch waren „Civil-Musiker“ nur sehr dünn vorhanden und vom Zusammenschluss zu einer Kapelle bzw. einem Musikverein war ebenfalls zu dieser Zeit nicht die Rede. Der junge 17-jährige Bursche Karl Hohl interessierte sich nun zwar für Musik, jedoch schienen die Chancen relativ schlecht um „etwas größeres“ daraus werden zu lassen. Doch der bei der Kammgarnspinnerei beschäftigte Hohl kaufte sich ein Posthorn um einen ersten Schritt zu wagen. Nach Feierabend auf dem Nachhauseweg zog er nun sein Horn aus der Tasche und blies hinein. Wohl nicht immer harmonisch schallten die Töne übers Enztal. Durch dieses „Feierabendgeblase“ wurde Albert Birnbaum aus Bietigheim auf ihn aufmerksam.

Zuerst kaufte Birnbaum dem jungen Burschen ein Flügelhorn. Recht schnell wurde aus Karl Hohl ein versierter Spieler, so dass er schon bald dem Posaunenchor beim Turmblasen in Bietigheim aushalf. In der Zwischenzeit kam Hohl aber der Gedanke in Großingersheim etwas zu unternehmen. Albert Birnbaum hatte ähnliche Gedanken. So wurde am Weihnachtsfest 1896 die 1. Musikkapelle aus der Taufe gehoben. Die ersten Musiker waren Karl Hohl, Gottlob Gampper und Jakob Gampper aus Großingersheim, Albert Birnbaum aus Bietigheim und August Dommer aus Geisingen.
  Vereinsgründer Karl Hohl
Vereinsgründer
Karl Hohl
 

Aller Anfang war schwer. Mit wenig Geld in der Tasche musste bei einem Verdienst von 90 Pfennigen ein damals 60 Mark teures Tenorhorn angeschafft werden. Ein weiteres Problem war nun die anstehende Probenarbeit. Die Erfahrung von Albert Birnbaum reichte nicht aus. Man stieß auf Herrn Gruber aus Ludwigsburg. Dieser musste zwar bezahlt werden, aber ein Gutes hatte es doch: er war der 6. Mann im kleinen Orchester. Die Feuertaufe erhielt die 1. Musikkapelle beim Turmblasen von der Evangelischen Martinskirche. Gespielt wurde der Choral „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“. Im Anschluss daran wurden die Musiker vom Kronenwirt Trefz zu einer Flasche Wein eingeladen und es wurde zünftig gefeiert. Der eigentliche erste öffentliche Auftritt war aber bei der Hochzeit von Gottlob Ehmer. Sie spielten vor dem Haus ein Ständchen und im Anschluss zum Tanz im Gasthaus „Rose“. Ein weiterer Auftritt war der Kirbe-Tanz im Gasthaus „Ochsen“. Viele weitere Verpflichtungen folgten. Jedoch veränderte sich auch vieles. Mit dem Wegzug von Gottlob Gampper nach Oßweil war die 1. Musikkapelle wieder gescheitert. Hinzu kam die Soldatenzeit Hohls im Infanterie-Regiment 126 in Straßburg.

Der Krieg war vorbei und die Soldatenzeit von Karl Hohl beendet. Es war für ihn schwer genug wieder Anschluss zu finden und auch seiner geliebten Musik sich wieder widmen zu können. Als musikalische Aushilfe war er neben Kornwestheim auch in Beihingen und Benningen tätig. Natürlich kam auch wieder der Gedanke auf in Großingersheim festen Fuß zu fassen, um erneut eine Musikkapelle zu gründen. Mit Geduld, Elan und mühevoller Arbeit konnte er zusammen mit Ernst Riegraf, Karl Riegraf, Ernst Fritz und Wilhelm Strohmayer die 2. Musikkapelle gründen. Es war laut Berichten in der Chronik eine „goldene Zeit“, die die Musikkapelle erlebte. Doch leider war die richtige Festigung innerhalb der Kapelle nicht so sehr vorhanden, wie es sich Karl Hohl vorgestellt hatte. Und so kam es wie es kommen musste, die 2. Musikkapelle mit Gründungsjahr 1902 war zu einem Relikt der Vergangenheit geworden.

Karl Hohl ging infolgedessen wieder auf Wanderschaft und kam dabei bei seinem Schwager in Bissingen unter. Wohl wenig Zeit verging als die nun schon 3. Musikkapelle Bissingen - Großingersheim gegründet wurde. Eine schöne Zeit muss es damals gewesen sein. Es wurden Auftritte in Großingersheim wie auch in Bissingen getätigt. Aktiv dabei waren neben Karl Hohl die Musiker Friedrich Gittinger, Ernst Breitenbücher und Wilhelm Breitenbücher aus Bissingen und Herr Bernecker aus Bietigheim. Aus verschiedenen Gründen kam aber auch diese Musikkapelle mit Gründungsjahr 1904 wieder zum Erliegen.

Karl Hohl gab aber den Gedanken zur Gründung einer erneuten Musikkapelle in Großingersheim nicht auf. Zwar kam er wieder mit seinem früheren Musikerkollegen Jakob Gampper zusammen, jedoch war noch einiges an Arbeit notwendig bis wieder eine spielfähige Kapelle zur Verfügung stand. Seine „Werbekampagne“ brachte ihn mit Paul Fritz und Christian Kiesel zusammen. Schließlich gesellten sich noch Christian Schnabel, Hermann Braun, Eugen Fritz, August Kieser aus Geisingen dazu. So war die Gründung der 4. Musikkapelle in Großingersheim im Jahre 1908 vollzogen und erlebte ebenfalls wie die Kapellen zuvor eine angenehme Zeit. Eine schwere Zeit kam auf die Musiker mit Ausbruch des 1. Weltkrieges zu. Die schöne Zeit, die mühevolle Aufbauarbeit war wiederum umsonst gewesen. Die Instrumente wurden mit den Gewehren getauscht. Damit war das Jahr 1914 das Schicksalsjahr der 4. Musikkapelle, die nun wie die anderen Musikkapellen zuvor ein Relikt der Vergangenheit war.

Mit gebrochenem Herzen musste Karl Hohl feststellen, dass 3 Musiker ihr Leben ließen und der Rest weggezogen war. Auf Vorschlag von Christian Schnabel schloss sich Karl Hohl wieder den Musikfreunden aus Bissingen an, bis er wieder in Großingersheim neue Taten vollbringen konnte. Bissingen machte sich nun selbständig. Karl Hohl wandte sich abermals dem „Scherbenhaufen der Musik“ in Großingersheim zu und versuchte mit viel Geduld und neuem Glück die Blasmusik wieder auf eine gescheite Basis zu stellen. Die meisten Instrumente waren noch vorhanden, so dass hier schon einmal ein Grundstock aufgestellt war. Die Suche und der Zusammenschluss von Musikern stellte sich als nicht einfach heraus. Friedrich Binder, Karl Haiber, Eugen Fritz, Hermann Fritz, Wilhelm Füller und Ernst Bender verhalfen ihm im Jahre 1919 zu einer 5. Musikkapelle, die wieder spielfähig war. Wichtig war es nun die Sache in Gang zu bringen und die Kapelle mittels einer durchdachten Organisation zu festigen. Es schien alles von Erfolg begleitet zu sein, jedoch machte oft genug die Politik einen Strich durch die Rechnung. Es wurden demnach auch Versuche unternommen, die Kapelle auseinander zu reißen. Näheres hierzu ist aber nicht bekannt. Die Treue hielten in diesen Jahren Karl Haiber, Eugen Fritz, Hermann Fritz. Am 12. Februar 1921 schloss sich diese Musikkapelle als eine der ersten dem neu gegründeten „Bezirk 5 Bietigheim“ im Süddeutschen Musikerverband und schließlich im selben Jahr in die Feuerwehr Großingersheim an. Im selben Jahr beteiligte sich die Kapelle noch am 1. Bezirksmusikfest in Bietigheim. Am 13.12. wurde die 1. Weihnachtsfeier verbunden mit dem 25-jährigen Jubiläum der 1. Musikkapelle Großingersheim im Gasthaus „Rose“ gefeiert.

Ein Schlüsselmoment für den zukünftigen Musikverein war wohl eine Versammlung im Gasthaus „Ochsen“, an der über die Gründung gesprochen wurde.

   
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